Einblick

12. Januar 2008 - Ebersberg (Altes Kino)

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Die Ebersberger SZ schreibt:

Auf die Spitze getrieben
FKK-Improvisationstheater glänzt im Alten Kino

Ebersberg - "Die Pisten am Spitzingberg sind so schlecht präpariert - eine Beule nach der anderen. Es war eine richtige Beulenpest, die mein Ende bedeutete." So schildert der Briefträger Michael Siegert den Grund für sein vorzeitiges Ableben. Es ist eine Botschaft aus dem Jenseits, die da auf der Bühne des Alten Kinos verkündet wird. Ein Postbote, der bei einer Abfahrt zu Tode kommt und aus den elysischen Gefilden das Auditorium über diese Begebenheit unterrichtet? Geht das?

Nun, heraufbeschworen wird diese keineswegs übernatürliche Figur am Samstagabend vom Publikum selbst: Es folgt lediglich den Anweisungen des Impro-Ensembles FKK und greift aktiv in den Verlauf der ganzen Veranstaltung ein. Der Nachtexpress feiert zehnjähriges Jubliäum, deshalb stellt sich das Markt Schwabener Impro-Theater in den Dienst der Wohltätigkeit und verzichtet ebenso wie das Alte Kino selbst auf Einnahmen. Umsonst ist der Abend für das Publikum aber ganz und gar nicht: Die Truppe stellt eine unglaublich kreative, spontane und herrlich komische Vorstellung bester Improvisationskunst auf die Bühne.

Das Kürzel FKK steht mitnichten für Nudismus - vielmehr hat sich das Ensemble drei Grundzügen verschrieben, die auf der Bühne meisterhaft zum Ausdruck kommen: frei - komisch - kreativ. Den thematischen Rahmen steckt dabei das Publikum ab, die musikalische Untermalung liefert der begnadete Pianist Christian Kappl. In Anlehung an die Kunst des Stummfilms präsentieren Tanja Aschenbrenner und Andreas Krug eine hinreißende Darbietung ihres Könnens. "Robert wohnt hier nicht mehr" heißt der von einem Zuschauer ausgewählte Titel der mimisch anspruchsvollen und aus dem Augenblick heraus geborenen Aufführung.

Welch rasantes und ideenreiches Zusammenspiel sich aus der Wahl eines Berufs sowie zehn Gefühlsregungen entwickeln kann, stellen Aschenbrenner alias "die Prosituierte Natascha" und Krug unter Beweis: Jede Anweisung ihres Kollegen Sebastian Schlagenhaufer nehmen beide Mimen sofort auf. So bestaunt das Ebersberger Auditorium ein abwechslungsreiches Zusammenspiel, das in die Frage des hungrigen Freiers mündet: "Könnten Sie mir ein Sandwich machen?" Gedankenverloren stellt die melancholische Prostituierte Natascha promt die nicht ganz jugendfreie Gegenfrage: "Brauchen wir dazu nicht einen Dritten?"

Voller Witz und Spontanität reihen sich auch Michael Siegert und Stefanie Zapf als verliebtes Pärchen auf der Suche nach Grashalmen in die humorvollen Mini-Dramen ein. Von der Beulenpest bis hin zu verliebten Pastoren und blutrünsitgen Metzgerinnen: dieses Ensemble bietet spontanen Witz auf allerhöchsten Niveau.

Martin Mühlfenzl

 

Die Ebersberger Zeitung schreibt:

FKK - frei, komisch, kreativ

Ebersberg - Frei, komisch, kreativ - kurz FKK. So nennen die sechs jungen Leute ihr Improtheater, mit dem sie zur Benefizveranstaltung des  Nachtexpress auftreten. Selbstverständlich ohne Gage, und auch das Alte Kino stellt seine Bühne an diesem Abend unentgeltlich zur Verfügung. Sie unterstützen damit die Organisatoren des Nachtexpress, Christa Stewens, Marianne Künzel und Georg Schweiger, die einen besonderen Wunsch haben. Der Nachtexpress fährt seit 1996 und bringt Kinder und Jugendliche Samstag nachts sicher nach Hause. Nun möchten die Organisatoren, dass er auch freitags fährt. Der Antrag ist bereits gestellt. Und die Benefizveranstaltung mit "FKK" soll Geld einspielen für eine Beteiligung an den Kosten.

Der Plan geht wohl auch auf. Viele sind gekommen, um das Improvisationstheater zu sehen. Das Alte Kino ist gut gefüllt. Improvisationstheater, das heißt, es gibt kein festes Textbuch. "Wir werden improvisieren und durch die Publikumsvorgaben ist jede Szene einzigartig," erklärt Andi Kurg. Er beginnt sofort mit dem Publikum zusammen zu arbeiten und holt es erst einmal von den Sitzen. Es lacht überrascht und macht mit. Die Stimmung lockert sich. Das ist wichtig, denn Mitarbeit ist gefordert. Die Zuschauer sollen Vorgaben liefern für einzelne Szenen. Zunächst ist eine Tätigkeit gefragt. "Grashalme sortieren," heißt es munter aus dem Plenum. Michi Siegert und Stefi Zapf schlüpfen spontan in die pantomimischen Rollen eines jungen Bauern und eines jungen Madls, die sich beim Sortieren der Grashalmsammlung näher kommen. Aber das ist nur eine Aufwärmübung. Die sechs können viel mehr. Sebastian Schlagenhaufer, Michael Siegert, Tanja Aschenbrenner, Stefi Zapf, Andi Krug mit Christian Kappl am Piano sind hinreißend komisch.

Aus Vorgaben des Publikums entwickeln sie spontan eine Geschichte, versetzen sich in die Personen hinein und würzen das Ganze mit witzigen Dialogen. Ihre Geschichten sind vielfältig. Mal nehmen sie mystisch-übersinnlich Kontakt zu den Toten auf, mal ändern sie auf ein Stichwort ihre Emotionen. Sie steigern sich innerhalb des Programmes und fordern sich gegenseitig heraus. Bei einem Wettkampf Frauen gegen Männer sprühen Andi Krug, Michi Siegert, Stefi Zapf und Tanja Aschenbrenner vor Ideen, die sie rasend schnell, innerhalb von zehn Sekunden umsetzten. Ein Tuch und ein Schirm aus dem Publikum finden verschiedene Verwendungsmöglichkeiten. Am Ende dann sind die Männer ein bisschen phantasievoller und ein bisschen witziger, mit ihrem Tuch über dem Gesicht als arabische Frau: "Ich hab' noch nie das Gesicht von dem Kerl gesehen!"

Immer wieder neu sind ihre Szenen und kurzweilig ihre Spiele, die das Publikum mit einbeziehen. Das Beste kommt zum Schluss. In ihrem Spiel "Stopp, das schreit nach einem Lied!" entwickeln sie in Sekundenschnelle auf Zuruf aus einer Zeile ein Lied. Die Lieder haben eine Aussage, sie reimen sich, und sie bringen eine Emotion zum Ausdruck, kämpferisch, verschmust, gierig oder melancholisch.

Eine tolle Leistung. FKK treten im Februar wieder in Markt Schwaben auf.

Nicole Sutherland