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Die Ebersberger SZ
schreibt:
Minidramen auf Zuruf
Das Markt Schwabener Impro-Theater FKK begeistert im
Grafinger Kastenwirt
Viele Menschen meinen,
Schauspielerei erschöpfe sich darin, Texte auswendigzulernen. Dass dem nicht so
ist, kann man als Zuschauer schmerzhaft oder lustvoll erfahren. Schmerzhaft,
wenn es einen in eine der vielen Laienaufführungen verschlägt, in denen die
Darsteller selbst dieser Auffassung sind, und dem Publikum zwar perfekt
hergesagte, aber blutleere Dialoge präsentieren. Lustvoll, wenn man stattdessen
auf das Markt Schwabener Improtheater-Ensemble FKK Frei Komisch Kreativ trifft.
Dieses korrumpiert dieses Vorurteil schon allein dadurch, dass sie auf
vorgegebenen Text komplett verzichten und im Kaltstart nach den Vorgaben und
Ideen des Publikums eine Szene nach der anderen produzieren. Am Samstag traten
sie im "Erlebniskeller" des Grafinger "Kastenwirts" auf.
Vorab sei gesagt: Improvisationstheater ist nichts
für passive Zuschauer. FKK fordert das Publikum zu Aktion heraus: Auch wer das
Glück (oder Pech?) hatte, nicht zum Mitspielen auf die Bühne geholt zu werden,
musste ständig den Akteuren Emotionen, Filmgenres, Schauplätze, Berufe oder
"noch nicht angebotene VHS-Kurse" zurufen, dieses Material wurde im Handumdrehen
zu hinreißenden Mini-Dramen verarbeitet. So entstanden im Laufe des Abends
wissenschaftliche Talkshows, ein Gammelfleisch-Krimi, ein Heimatfilm und sogar
ein Musical. Ferdinand Maurer
beeindruckte durch seine enormen pantomimischen Fähigkeiten, Sabine Kämmerer
durch ihren Mut, auch abwegige Ideen gekonnt ins Spiel einzubeziehen. Die
Fähigkeit, blitzschnell von einem Extrem ins andere zu wechseln, besaß vor allem
Sebastian Schlagenhaufer, während Andreas Krug es verstand, inhaltlich etwas
zerrissenen Szenen charmant einen dramaturgischen Bogen zu verleihen. Stefi Zapf
war unbezahlbar witzig schon allein aufgrund ihrer umwerfenden Mimik, und
Michael Siegert gelang es, das Publikum durch seine teils sehr derbe Komik zu
explosionsartigen Lachsalven herauszufordern. Mindestens genauso wichtig war
selbstverständlich der ebenso virtuose wie originelle Musiker Christian Kappl:
Pianist und Gitarrist in einem, ging er kongenial und unmittelbar auf jede noch
so kleine Stimmungsäußerung auf der Bühne ein. FKK hat im Übermaß Spontaneität,
Musikalität, und den Mut, das Absurde und Lächerliche zu wagen. Wenn man auch
den ganzen Abend über meint, das prominente Münchner "Fast-Food"-Theater als
Vorbild durchschimmern zu sehen: die Markt Schwabener sind auf dem besten Wege,
etwas Eigenes zu entwickeln.
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