Einblick

24. November 2007 - Grafing (Erlebniskeller)

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Die Ebersberger SZ schreibt:

Minidramen auf Zuruf
Das Markt Schwabener Impro-Theater FKK begeistert im Grafinger Kastenwirt

Viele Menschen meinen, Schauspielerei erschöpfe sich darin, Texte auswendigzulernen. Dass dem nicht so ist, kann man als Zuschauer schmerzhaft oder lustvoll erfahren. Schmerzhaft, wenn es einen in eine der vielen Laienaufführungen verschlägt, in denen die Darsteller selbst dieser Auffassung sind, und dem Publikum zwar perfekt hergesagte, aber blutleere Dialoge präsentieren. Lustvoll, wenn man stattdessen auf das Markt Schwabener Improtheater-Ensemble FKK Frei Komisch Kreativ trifft. Dieses korrumpiert dieses Vorurteil schon allein dadurch, dass sie auf vorgegebenen Text komplett verzichten und im Kaltstart nach den Vorgaben und Ideen des Publikums eine Szene nach der anderen produzieren. Am Samstag traten sie im "Erlebniskeller" des Grafinger "Kastenwirts" auf.

Vorab sei gesagt: Improvisationstheater ist nichts für passive Zuschauer. FKK fordert das Publikum zu Aktion heraus: Auch wer das Glück (oder Pech?) hatte, nicht zum Mitspielen auf die Bühne geholt zu werden, musste ständig den Akteuren Emotionen, Filmgenres, Schauplätze, Berufe oder "noch nicht angebotene VHS-Kurse" zurufen, dieses Material wurde im Handumdrehen zu hinreißenden Mini-Dramen verarbeitet. So entstanden im Laufe des Abends wissenschaftliche Talkshows, ein Gammelfleisch-Krimi, ein Heimatfilm und sogar ein Musical.

Ferdinand Maurer beeindruckte durch seine enormen pantomimischen Fähigkeiten, Sabine Kämmerer durch ihren Mut, auch abwegige Ideen gekonnt ins Spiel einzubeziehen. Die Fähigkeit, blitzschnell von einem Extrem ins andere zu wechseln, besaß vor allem Sebastian Schlagenhaufer, während Andreas Krug es verstand, inhaltlich etwas zerrissenen Szenen charmant einen dramaturgischen Bogen zu verleihen. Stefi Zapf war unbezahlbar witzig schon allein aufgrund ihrer umwerfenden Mimik, und Michael Siegert gelang es, das Publikum durch seine teils sehr derbe Komik zu explosionsartigen Lachsalven herauszufordern. Mindestens genauso wichtig war selbstverständlich der ebenso virtuose wie originelle Musiker Christian Kappl: Pianist und Gitarrist in einem, ging er kongenial und unmittelbar auf jede noch so kleine Stimmungsäußerung auf der Bühne ein. FKK hat im Übermaß Spontaneität, Musikalität, und den Mut, das Absurde und Lächerliche zu wagen. Wenn man auch den ganzen Abend über meint, das prominente Münchner "Fast-Food"-Theater als Vorbild durchschimmern zu sehen: die Markt Schwabener sind auf dem besten Wege, etwas Eigenes zu entwickeln.