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Die Ebersberger SZ
schreibt:
Spontaner Sprung ins Wechselbad der Gefühle
"FKK" lebt vom Austauch mit dem Publikum - jede Szene
entsteht auf Zuruf, jeder Abend ist anders
Sie hätten auch "Nackt" heißen
können. Ein bisschen plump fanden das die acht Spieler der Markt Schwabener
Improvisationstruppe. Der Name sollte knackig, spritzig sein und zugleich die
Situation auf der Bühne vermitteln: Plötzlich in einer Szene zu landen.
Unbekannt, ungeprobt, praktisch blank, oder anders gesagt - nackt. Die Aktion muss
dann frei, komisch und kreativ erfolgen. "FKK" eben. Da war er schon, der Name
5, 4, 3, 2, 1: Ein
Improvisationsspiel beginnt mit dem Abzählen. Soviel Zeit bleibt den
Darstellern, auf die Ansage des Publikums einzugehen. Das Improtheater lebt von
er Interaktion: Die Zuschauer geben Situationen und Emotionen vor, die Künstler
führen es aus. Anders als im Theater wird bei den wöchentlichen Treffen nicht
geprobt, sondern trainiert - wie man auf Zuruf Gefühle produziert, wie man ohne
Requisiten eine Szenerie erschafft, nur mit Dialogen und Gesten. Tanja
Aschenbrenner braucht keine Schürze, um zur Kellnerin zu werden, sie muss nur
mit ihren Händen über einen imaginären Tisch wischen. Beim Probieren in der
Markt Schwabener Theaterhalle übt sie ein Wechselbad der Gefühle: Erst zischt
sie wütend durch das Lokal, dann ist sie von den Avancen ihres Gastes hin und
weg. Schließlich macht sie ihm eifersüchtig eine Szene.
Alles ist spontan, nichts ist
zurechtgelegt, denn die acht Amateur-Schauspieler, die im bürgerlichen Leben als
Ingenieur, Lehrer oder Buchhändler arbeiten, legen den Begriff der Improvisation
bierernst aus. "Andere Gruppen haben fertige Sequenzen oder Abläufe, die sie
zwischendurch einbauen können", sagt Sebastian Schlagenhaufer. "Bei uns ist
alles frei und originär". Zuschauer könnten zwei, drei Vorstellungen
hintereinander besuchen und würden immer etwas anderes sehen. Was das Publikum
erlebt, hängt auch von ihm selbst ab. Nicht selten versuchten Improfans die
Spieler "absichtlich reinzureiten". Bei der Darstellung eines Tontaubenzüchters
oder eines Schachfigurenschnitzers ist Kreativität gefragt. "Alles was normal
ist, ist langweilig", findet Ferinand Maurer. Andi Krug widerspricht: "Wir
machen auch Gutes aus normalen Sachen". Alles habe seinen Reiz, sag Krug, der
die Herausforderung in der sekundenschnellen Transformation in Rollen u
Situationen sieht, und das Improvisieren genau dafür liebt.
Am 13. Mai 2006, das weiß Stefanie
Zapf noch genau, traten die acht erstmals als FKK - Die Improshow auf.
Alle hatten sie bei der Jungen Bühne Markt Schwaben angefangen. Wie man
sich einen Text erarbeitet, wussten sie. Aber wer einmal Schillers "Kabale und
Liebe" auswendig lernen musste, der könne verstehen, warum sie Improtheater
machen - sagt Maurer, freilich nur scherzhaft. Improtheater lasse Freiheiten zu,
die das Theater nicht zugestehe. Der Aufwand am Theater sei groß für die wenigen
Auftritte: "Die Stücke spielt man dann nur ein paar wenige Abende", sagt Michael
iegert. Deswegen, so erzählen die Schauspieler, wollten sie etwas "Dauerhaftes".
Das zugleich ungeheuer wandelbar ist.
Das anspruchsvollste, aber
vielleicht interessanteste Spiel heißt "A spricht B spricht C". Dabei gilt es,
seinen Nebenmann zu synchronisieren, während Gestik und Mimik der eigenen Rolle
entsprechen. Das kann bedeuten, als Sekretärin auf Stöckelschuhen um den Chef zu
scharwenzeln und mit der Stimme eines behäbigen Bauarbeiters zu sprechen. Um die
Komik zu unterstreichen, sitzt Christian Kappl am Klavier und setzt assoziativ
Akzente. Wenn sich drei Akteure für den Fallschirmsprung vorbereiten, stimmt er
van Halens Rockkklassiker "Jump" an. Eine Biergartenathmosphäre illstriert er
mit einem bekannten Jingle aus der Bierwerbung. Derart ausgestattet mit
Gestaltungsmöglichkeiten sind die FKKler gar nicht so nackt. Sondern offen für
freie, komische und kreative Interpretationen.
von Nicole Werner
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