Einblick

SZ-Portrait vom 14. August 2009

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Die Ebersberger SZ schreibt:

Spontaner Sprung ins Wechselbad der Gefühle
"FKK" lebt vom Austauch mit dem Publikum - jede Szene entsteht auf Zuruf, jeder Abend ist anders

Sie hätten auch "Nackt" heißen können. Ein bisschen plump fanden das die acht Spieler der Markt Schwabener Improvisationstruppe. Der Name sollte knackig, spritzig sein und zugleich die Situation auf der Bühne vermitteln: Plötzlich in einer Szene zu landen. Unbekannt, ungeprobt, praktisch blank, oder anders gesagt - nackt. Die Aktion muss dann frei, komisch und kreativ erfolgen. "FKK" eben. Da war er schon, der Name

5, 4, 3, 2, 1: Ein Improvisationsspiel beginnt mit dem Abzählen. Soviel Zeit bleibt den Darstellern, auf die Ansage des Publikums einzugehen. Das Improtheater lebt von er Interaktion: Die Zuschauer geben Situationen und Emotionen vor, die Künstler führen es aus. Anders als im Theater wird bei den wöchentlichen Treffen nicht geprobt, sondern trainiert - wie man auf Zuruf Gefühle produziert, wie man ohne Requisiten eine Szenerie erschafft, nur mit Dialogen und Gesten. Tanja Aschenbrenner braucht keine Schürze, um zur Kellnerin zu werden, sie muss nur mit ihren Händen über einen imaginären Tisch wischen. Beim Probieren in der Markt Schwabener Theaterhalle übt sie ein Wechselbad der Gefühle: Erst zischt sie wütend durch das Lokal, dann ist sie von den Avancen ihres Gastes hin und weg. Schließlich macht sie ihm eifersüchtig eine Szene.

Alles ist spontan, nichts ist zurechtgelegt, denn die acht Amateur-Schauspieler, die im bürgerlichen Leben als Ingenieur, Lehrer oder Buchhändler arbeiten, legen den Begriff der Improvisation bierernst aus. "Andere Gruppen haben fertige Sequenzen oder Abläufe, die sie zwischendurch einbauen können", sagt Sebastian Schlagenhaufer. "Bei uns ist alles frei und originär". Zuschauer könnten zwei, drei Vorstellungen hintereinander besuchen und würden immer etwas anderes sehen. Was das Publikum erlebt, hängt auch von ihm selbst ab. Nicht selten versuchten Improfans die Spieler "absichtlich reinzureiten". Bei der Darstellung eines Tontaubenzüchters oder eines Schachfigurenschnitzers ist Kreativität gefragt. "Alles was normal ist, ist langweilig", findet Ferinand Maurer. Andi Krug widerspricht: "Wir machen auch Gutes aus normalen Sachen". Alles habe seinen Reiz, sag Krug, der die Herausforderung in der sekundenschnellen Transformation in Rollen u Situationen sieht, und das Improvisieren genau dafür liebt.

Am 13. Mai 2006, das weiß Stefanie Zapf noch genau, traten die acht erstmals als FKK - Die Improshow auf. Alle hatten sie bei der Jungen Bühne Markt Schwaben angefangen. Wie man sich einen Text erarbeitet, wussten sie. Aber wer einmal Schillers "Kabale und Liebe" auswendig lernen musste, der könne verstehen, warum sie Improtheater machen - sagt Maurer, freilich nur scherzhaft. Improtheater lasse Freiheiten zu, die das Theater nicht zugestehe. Der Aufwand am Theater sei groß für die wenigen Auftritte: "Die Stücke spielt man dann nur ein paar wenige Abende", sagt Michael iegert. Deswegen, so erzählen die Schauspieler, wollten sie etwas "Dauerhaftes". Das zugleich ungeheuer wandelbar ist.

Das anspruchsvollste, aber vielleicht interessanteste Spiel heißt "A spricht B spricht C". Dabei gilt es, seinen Nebenmann zu synchronisieren, während Gestik und Mimik der eigenen Rolle entsprechen. Das kann bedeuten, als Sekretärin auf Stöckelschuhen um den Chef zu scharwenzeln und mit der Stimme eines behäbigen Bauarbeiters zu sprechen. Um die Komik zu unterstreichen, sitzt Christian Kappl am Klavier und setzt assoziativ Akzente. Wenn sich drei Akteure für den Fallschirmsprung vorbereiten, stimmt er van Halens Rockkklassiker "Jump" an. Eine Biergartenathmosphäre illstriert er mit einem bekannten Jingle aus der Bierwerbung. Derart ausgestattet mit Gestaltungsmöglichkeiten sind die FKKler gar nicht so nackt. Sondern offen für freie, komische und kreative Interpretationen.

von Nicole Werner